Seit Olaf Scholz‘ Kanzlerantritt im Jahr 2022 hat Deutschland mehr als 100 Milliarden Euro in das Militär investiert und auch Friedrich Merz, der im Mai vom Bundestag gewählte neue deutsche Bundeskanzler führt dies fort. Bereitet sich Deutschland also auf einen Krieg vor oder weshalb sind sowohl die Wehrpflicht als auch der Waffenkauf wieder brandaktuell?
Was ist eigentlich Aufrüstung?
Unter Aufrüstung versteht man die Erhöhungen der militärischen Fähigkeiten eines Staates oder eines Militärbündnisses. Die Fähigkeiten des Militärs beziehen sich hierbei auf die Waffensysteme und Ausrüstung, die Ausbildung von neuem Personal, militärische Einrichtungen, sowie neue Technologien und Forschung. Um die Steigerung des militärischen Potentials ereichen zu können, investiert der Staat in das Militär. In Deutschland zählt heutezutage auch die Werbung für Ausbildungen im Militärdienst dazu, da es zur aktuellen Zeit keine Wehrpflicht in der Bundesrepublik Deutschland gibt.
Wieso rüstet Deutschland auf?
Vor allem das fehlende Personal und die veralteten Waffen- und Verteidigungssysteme scheinen Deutschland im Moment zum Verhängnis zu werden. Hierfür ist ein kurzer Exkurs in die Vergangenheit notwendig, um den Grund des mangelnden militärischen Schutzes zu identifizieren.
Nach dem Mauerfall in Berlin am 9. November 1989 und der folgenden Wiedervereinigung Deutschlands ist eine deutliche Abnahme der Streitkräfte, sowie der Finanzierung des deutschen Militärs, auch Bundeswehr genannt, zu beobachten. Während in Deutschland im Jahr 1994 noch rund 400.000 Soldat*innen im Dienst waren sank die Zahl bis 2022 auf 183.150 und hat sich damit mehr als halbiert. Ähnliches ist bei bei den für die Bundeswehr bestimmten Geldbeiträgen zu beobachten. Anhand dieser Werte lässt sich feststellen, dass Deutschland es nicht als notwendig gesehen haben könnte, eine stabile Defensive, sowie Offensive aufrechtzuerhalten. Vielleicht ein Gedanke, der aus der Euphorie der Wiedervereinigung und des Endes des kalten Kriegs1 einhergeht. Man ging nun vom anhaltenden Frieden aus und legte somit den finanziellen Fokus auf andere Dinge wie die Sozialleistungen und die allgemeinen Staatsausgaben, zu denen die Verwaltung und der öffentliche Dienst zählt. Deutschland konzentrierte sich mit den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union auf die wirtschaftliche Stabilität und die Aufnahme von weiteren Ländern in das EU- Bündnis.
Seit dem Ausbruch des Russland-Ukraines- Kriegs ist die Zahl der Gelder, die in die Bundeswehr fließen, stark gestiegen. Durch die unmittelbare Kriegsnähe und die militärische defensive Unterstützung der Ukraine aufgrund des Artikel 51 der UN-Charta2 waren mehr Investitionen in die Bundeswehr nötig und auch zur eigenen Verteidigung unvermeidbar. Eine Eskalation und eine Ausweitung des Krieges durch Russlands Präsidenten Putin konnte nicht ganz ausgeschlossen werden.
Doch dies ist nicht der einzige Grund für eine gestiegene Investion in die deutsche Bundeswehr. Seit Donald Trump im Januar 2025 erneut zum Präsidenten der vereinigten Staaten Amerikas gewählt wurde, fordert er von allen NATO3-Staaten, mindestens fünf Prozent ihrer Wirtschaftsleistung für das Militär auszugeben. Somit lastet unter anderem auf Deutschland mehr Druck, um Verantwortung zu übernehmen, da man die USA als NATO-Mitglied nicht verlieren möchte.
Deutschland wandelt die jahrzehntelange Zurückhaltung in eine aktive Übernahme der Verantwortung um. Die Aufrüstung und die mögliche Wiederaufnahme einer Wehrpflicht sind ein Versuch des Aufbaus einer dringend notwendigen staatlichen Sicherheit. Doch ist es ethnisch vertretbar, einer Nation den Dienst im Militär und das mit sich führende Risiko des eigenen Todes aufzuzwingen? Die Meinungen spalten sich bei der Antwort dieser schwierigen Frage stark. Auf der einen Seite steht die Verantwortung gegenüber des eigenen Herkunftslandes, auf der anderen die Einengung der persönlichen Entscheidungsfreiheit.
Müssen wir nun Angst haben?
Ob man Angst empfindet, ist individuell – und verständlich. Die Bilder von Krieg, Aufrüstung und Unsicherheit können beunruhigen. Doch gerade deshalb ist es wichtig, sich bewusst zu machen, warum aufgerüstet wird: Nicht, um Krieg zu führen, sondern um ihn zu verhindern. Abschreckung bedeutet, potenziellen Angreifern zu zeigen, dass ein Angriff keinen Erfolg hätte – und deshalb gar nicht erst gewagt wird.
Angst kann lähmen, aber Wissen und Einordnung helfen, die Lage realistisch zu betrachten. Statt sich in Sorge zu verlieren, lohnt es sich, Fragen zu stellen: Was passiert gerade? Welche Interessen stehen dahinter? Und wie können wir als Gesellschaft darauf reagieren?
Sicherheit beginnt nicht nur mit Waffen, sondern auch mit Verstehen.
Literaturhinweise:
- Friedrich-Eber-Stiftung: Aufrüstung Defintion. https://www.fes.de/wissen/aufruestung letzter Zugriff: 23.07.2025 .
- Von Boemcken, Marc/ Rohleder, Paul/ Bayer, Markus u.a.: Verschwendet ode effektiv eingesetzt. Militärausgaben in Deutschland, Frankreich und dem Vereinigten Königreich im Vergleich. Hamburg 2023.
- Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung: Kalter Krieg. https://www.politische-bildung-brandenburg.de/lexikon/kalter-krieg Letzter Zugriff: 23.07.2025.
- DESTATIS Statistisches Bundesamt: Ausgaben, Einnahmen und Finanzierungssaldo des Öffentlichen Gesamthaushalts. https://www.destatis.de/DE/Themen/Staat/Oeffentliche-Finanzen/Ausgaben-Einnahmen/Tabellen/irj-aus-ein-fin-2011.html Letzter Zugriff: 23.07.2025.
- Tagesschau: Wadephul stellt sich hinter Trumps Fünf-Prozent-Ziel für die NATO. https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/wadephul-verteidiungsausgaben-100.html Letzter Zugriff: 23.07.2025.
- Bundesministerium der Verteidigung: Mehr als 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr. https://www.bmvg.de/de/aktuelles/mehr-als-100-milliarden-euro-bundeswehr-sicherheit-5362112#:~:text=Erster%20Abschnitt%20des%20ArtikelsMehr%20als%20100%20Milliarden,in%20die%20Bundeswehr%20verk%C3%BCndet:%20%E2%80%9EWir%20m%C3%BCssen%20deutlich Letzter Zugriff: 23.07.2025.
- Der kalte Krieg, hier bezogen auf das Spannungsverhältnis zwischen den USA und der Sowjetunion von 1947 bis Anfang der 1990er Jahre, ist ein Konflikt zwischen zwei Staaten, in dem jedoch keine Waffen zum Einsatz kommen, jedoch jeden Moment mit verwendeter Waffengewalt eskalieren könnte. Meist wird hier auch Auffrüstung zur Abschreckung des Feindes eingesetzt. ↩︎
- Dieser Artikel bestimmt, dass jedes Land auf Selbstverteigung hat, sobal es aktiv angegriffen wird. ↩︎
- Der Nordatlantikpakt, kurz NATO, ist ein 1949 gegründetes Bündnis von europäischen und nordamerikanischen MItgliedsstaaten, die das Ziel der welweiten politischen Sicherheit und Stabilität verfolgen. Im Falle eines Angriffs auf ein Mitgliedsstaat, wird dieses bei der Selbstverteidigung unterstützt. ↩︎


Coole und echt wichtige Idee eine Website über aktuelle politische Themen zu machen. Die Texte sind gut verständlich und haben auch eine gute Länge. Ich finde es auch sehr gut das du deine Sekundärliteratur am Ende angibst. So kann man bei Bedarf nochmal etwas nachlesen. 🙂